Punkt um Punkt zum fertigen Bild - Der Pointillismus

Der Pointillismus - mehr als nur ein extravaganter Malstil

Paul Signac: Capo di Noli (1898)
Paul Signac: Capo di Noli (1898)

Pointillismus wird übersetzt mit "Punkt-um-Punkt-Malerei". Sie ist sehr aufwendig und langwierig. Dieser Malstil ist nichts für ungeduldige Maler, die schnell mal gerne ein Bild fertig stellen möchten und schwungvoll Pinselstrich um Pinselstrich setzten. Die Ausführung ist nicht spontan, sondern es bedarf einer guten Planung, einer starken Vorstellungskraft und sehr viel Geduld. Ihre Blütezeit erlebte dieser aufwendige Malstil in den Jahren zwischen 1889 und 1910 und wird dem Post-Impressionismus zugeordnet. Bedeutende Künstler des Pointillismus sind Georges Seurat, Paul Signac, Henri Edmond Cross, der Belgier Théo van Rysselberghe und einige Jahre lang auch Camille Pissarro. Auf deutscher Seite gilt Paul Baum als Hauptvertreter des Pointillismus.

 

Georges Seurat (1859 – 1891), der Erfinder des Pointillismus, brauchte für ein Gemälde normalerweise ein Jahr, manchmal sogar etwas länger. Gemeinsam mit Paul Signac (1863–1935) entwickelte er 1885/86 den Pointillismus. Anfang der 1880er Jahre beschäftige sich Georges Seurat intensiv mit den damals neuen Erkenntnissen zur Farbenlehre. Aus den Erkenntnissen seiner Studien entwickelte er in den Jahren 1883 und 1884 diese Maltechnik. 

Zoon in das Bild Capo di Noli von Paul Signac
Zoon in das Bild Capo di Noli von Paul Signac

Was zeichnet den Pointillismus aus?

Das Auftragen von Farben in winzigen Farbpartikeln („points“) ist kein intellektueller Spleen (um das Einfache zu komplizieren). Die unvermischten Farbtüpfelchen sollen sich erst im Auge des Betrachters zusammenschließen und erst bei einem gewissen Abstand zum Bild den gewünschten Farbeneffekt hervorrufen: ein helles, unveränderliches, dauerhaftes Leuchten.

 

Der Pointillismus beruht auf den Simultankontrast von benachbarten Farben. Das gesamte Bild besteht aus kleinen regelmäßigen Farbtupfern in reinen Farben. Der Gesamt-Farbeindruck einer Fläche ergibt sich erst im Auge des Betrachters und aus einer gewissen Entfernung. Durch optische Verschmelzung und additive Farbmischung formen sich die Farbpunkte zu Gestalten. Durch die additive Farbmischung haben die Farben die Tendenz zu mehr Leuchtkraft, während beim Vermischen auf der Staffelei die Farben dunkler werden und Schmutzfarben fast unvermeidbar sind.

 

Im Mai und Juni 1886 stellten Signac und Seurat bei der achten und letzten Impressionisten-Ausstellung ihre „Pointillistischen“-Werke aus. Sie stießen dabei nicht auf große Gegenliebe unter den eingefleischten Impressionisten. Zu „konstruiert“, zu zeitaufwendig und zu „abgehoben“ schienen die Werke, die ausschließlich im Atelier fertig gestellt werden. Der Malstil ermöglicht kein schnelles, spontanes „einfangen“ von Licht in der Natur. Kein spontaner Pinselstrich wird ausgeführt, sondern die wohldurchdachte Komposition und die detaillierte Ausführung sind die Markenzeichen des Pointillismus. 

Georges Seurat: Un dimanche après-midi à l'Île de la Grande Jatte (1886) - A Sunday Afternoon on the Island of La Grande Jatte, Metropolitan Museum Chicago
Georges Seurat: Un dimanche après-midi à l'Île de la Grande Jatte (1886) - A Sunday Afternoon on the Island of La Grande Jatte, Metropolitan Museum Chicago

Der französische Maler Paul Signac  (1863 - 1935) war ein wahrlich begnadeter Künstler des Neo-Impressionismus sowie des Pointillismus. Seine Bilder erschaffen dieses gewünschte Leuchten der Farben, man sagt, bei seinen Bildern leuchten sogar die Schatten. Signacs Thema waren vor allem Landschaftsgemälde in hellen, leuchtenden Farben. Sein besonderes Interesse galt den Segelschiffen und der Welt der Häfen. 

 

Ausgehend von Paris entdeckten auch Maler aus Belgien, Holland, und Deutschland diese Malmethode. Zu den bekanntesten zählt unter anderem der Belgier Théo van Rysselberghe (1862–1926) und der deutsche Paul Baum (1859 – 1932). 

Viele namhafte Künstler wie Piet Mondrian, Henri Matisse, und Paul Gauguin setzten sich mit der pointillistischen Technik auseinander. Die Technik des Pointillismus beeinflusste sogar Vincent van Gogh während seiner künstlerischen Anfangsjahren. Er nutzte die pointillistische Technik Mitte der 1880er Jahre als er nach Paris kam, um Maler zu werden. Später konzentrierte er jedoch sein Hauptaugenmerk auf die mögliche Farbzerlegung und auf die neuen, vielfältigen Möglichkeiten des Farbauftrags (Punkte, Striche, Hacken). 

 

Paul Baum: Dichtbebaute Dorfstrasse in Holland bei Nachmittagssonne (1899 - 1905)
Paul Baum: Dichtbebaute Dorfstrasse in Holland bei Nachmittagssonne (1899 - 1905)

Ivo Hauptmann (geboren 1886), war schließlich der letzte bekannte deutsche Pointillist. Er habe – nach eigenen Angaben - nach dem Ersten Weltkrieg den Pointillismus aufgegeben, weil er sich unter den schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen eine so zeitraubende Technik nicht mehr leisten könne.  


Bildnachweise:

 

Capo di Noli, Paul Signac [Public domain], via Wikimedia Commons

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:1898_Signac_Capo_di_Noli_anagoria.jpg

 

Un dimanche après-midi à l'Île de la Grande Jatte, Georges Seurat [Public domain], via Wikimedia Commons, 

Metropolitan Museum Chicago

 

Dichtbebaute Dorfstrasse in Holland (ohne Bäume), bei Nachmittagssonne, Paul Baum [Public domain], from Wikimedia Commons

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Paul_Baum_-_Dichtbebaute_Dorfstrasse_in_Holland,_bei_Nachmittagssonne.jpg

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