Das Geheimnis eines Originals

Oft kopiert – nie erreicht! Die original Designklassiker!

 

Die Hersteller von Designklassikern geben nur wenige Hinweise, woran man eine Kopie erkennen kann. Sie möchten den Fälschern verständlicherweise keine nützlichen Tipps geben, wie sie ihre billigen Kopien noch besser tarnen können.

Eine Fälschung kann von einem Original sehr stark abweichen. Wenn man sieht, wie groß die Qualitätsunterschiede zwischen einem original Designerstück und einer Fälschung sind, dem fällt die Entscheidung für ein Original leicht. Doch, auf welche Details soll man denn nun achten?

Ein paar Hersteller geben dabei wertvolle Hinweise.

Hier die wichtigsten Erkenntnisse und Tipps.

Im Vergleich: Adjustable Table E1027 von Eileen Gray

Beistelltisch E1027 von Eileen Gray: Original und Fälschung
Adjustable Table E1027 von Eileen Gray; Bild © ikarus

Der bekannteste Beistelltisch: der "E1027" von Eileen Gray.

 

Hergestellt wird das Original vom Münchner Hersteller ClassiCon. Dem gegenübergestellt die Fälschung, die für ein Viertel des Originalpreises online angeboten wird.

Auf  den ersten Blick fällt auf, dass die Maße der Beistelltische unterschiedlich sind. Die Fälschung hat ein höheres Gestell, und der Querschnitt des Stahlrohrs ist dünner. Das heißt, der obere Griff des Gestells lässt sich nicht so tief wie beim Original von Eileen Gray versenken.

Fußgestell vom Original E1027 von Eileen Gray
Fußgestell vom Original E1027; Bild © ikarus
Fußgestell kopierter Eileen Gray Beistelltisch
Fußgestell der Kopie; Bild © ikarus
Glasauflage Original E1027 Beistelltisch von Eileen Gray
Glasauflage Original E1027, Bild © ikarus
Glasauflage Fälschung des Beistelltisches von Eileen Gray
Glasauflage der Fälschung, Bild © ikarus
Prägung Original Eileen Gray Beistelltisch
Prägung Original E1027, Bild © ikarus

Das Fußgestell:

Das präzise verarbeitete Fußende am Original E1027 sind mit fast unsichtbaren, aber vor allem festen Gummipfropfen ausgestattet. Das Plagiat hat nicht nur ein dünneres Stahlrohr mit unvollständiger Verchromung, sondern auch simple Gummipfropfen. Die losen Gummipfropfen können sich bei jeder Bewegung des Beistelltische‌s verselbstständigen. Ein gefundenes Fressen für den Staubsauger. 

Die Stahlrohre:

Am Knotenpunkt der Stahlrohre wurde bei der Fälschung nicht sauber gearbeitet. Die schlampig ausgeführten Schweißnähte sind nur teilweise überarbeitet worden. Die anschließende Verchromung auf den Stahlrohren haftet kaum. Dagegen hat das Original glatt polierte Schweißnähte und eine nahtlose Verchromung. Perfekt!

 

Die lose Glasauflage:

Der original Beistelltisch E1027 hat ein deutlich dickeres Sicherheitsglas. Die lose Glasauflage liegt versenkt im Stahlrohr. Bei der Fälschung liegt das dünne Glas auf einen Gummipfropen. Dabei wurden die Halterungen eher lieblos an das Stahlrohr geschweißt.

 

 

Die Höhenverstellung:

Eileen Gray entwarf eine elegant geschwungene Verbindung der zwei vertikalen Stützen. Die Höhenverstellung wird mit einer feinen Kette gesichert. Die Verbindung verhindert auch ein Aufschwingen der Tischplatte. Das Plagiat hat eine simple Lösung mit einem einfachen Metallblatt und einer grobmaschiger Kette. Abgesehen davon, dass es nicht sehr hübsch ist, wackelt dadurch der ganze Beistelltisch. Stößt man an die Tischplatte, schwingt der Tisch in der Horizontalen. Gefährlich, wenn auf dem Tisch ein hohes Gefäß wie eine Vase steht.

 

Die Kennzeichnung:

Wie bei jedem Original prägen die Hersteller ihre Stücke. Dies dient auch noch nach Jahren als Herstellernachweis. Das von ClassiCon hergestellte Original hat daher eine beständige Prägung im verchromten Stahlrohr: »ClassiCon WA20094 Eileen M. Gray authorised by Aram Design‌s Ltd«. Logischerweise fehlt diese Kennzeichnung bei der Fälschung.


FAZIT

Die Fälschung ist ungeeignet für Besitzer von Haustieren und für Familien mit Kindern. Denn die Kopie ist kein stabiler Beistelltisch. Er kann gefährlich schwanken und schwingen, wenn daran gestoßen wird.  Wenn dann noch eine Vase oder eine Flasche darauf steht, können diese umfallen. Bei den schlampigen Schweißnähten mache ich mir auch Sorgen. Die Stellen sehen sehr rau aus. Ich frage mich, ob ich mich verletzten könnte. 

Der E1027 Beistelltisch wurde getestet von www.ikarus.de. Die Testergebnisse sind veröffentlicht im Ikarus Design blog. Finde den ganzen Artikel mit weiteren Informationen und Bildern auf www.ikarus.

Link: https://blog.ikarus.de/original-vs-falschung/adjustable-table_8609.html

Im Vergleich: Die Wagenfeld Tischleuchte in der Glasversion WG24

Wagenfeld Tischleuchte WG24
Die Wagenfeld Tischleuchte WG24; Bild © ikarus

Die beliebte Bauhaus Lampe "WG24" im Vergleich.

 

Die Wagenfeld Tischleuchte darf, und wird nur von der Firma Tecnolumen hergestellt. Gegenüber steht eine Fälschung, die sehr viel günstiger verkauft wird.

Bei der Gegenüberstellung ist erkennbar, dass die Glasplatte bei der Kopie kleiner und dünner ist. Die kopierte Leuchte ist insgesamt viel größer als das Original. Nun gut. Wenn man jetzt nicht gerade das Original als Vergleichsmöglichkeit neben der Kopie stehen hat, sind die Unterschiede nicht für jeden erkennbar. 

Jedoch: Die Fälschung hat ein paar grobe Konstruktionsmängel. Die sind zu erkennen, auch wenn das Original nicht daneben steht.  

Lampenfuß Original Wagenfeld Leuchte WG24
Lampenfuß der Original Leuchte; Bild © ikarus
Fassung Original Wagenfeld Leuchte WG24
Fassung der Original Leuchte; Bild © ikarus
Lampenfuß Fälschung Wagenfeld Leuchte
Lampenfuß der Fälschung; Bild © ikarus
Fassung Fälschung Wagenfeld Leuchte WG24
Fassung der Fälschung; Bild © ikarus

Der Lampenfuß:

Bei der Fälschung ist der gesamte, schwere Aufbau der Leuchte nur mit einem einzigen Klebepunkt an der Glasplatte angebracht. Höchstwahrscheinlich wird diese Klebeanbringung nicht lange halten. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis die Lampe entzwei ist. Im Originalentwurf wird die Glasplatte mittig ausgefräst und der aufgesetzte Leuchtenfuß mittels zweier Inbusschrauben befestigt. Das hält bombenfest.

Die obere Lampenhalterung:

Bei der Fälschung ist die Lampenfassung aus Kunststoff. Das Original ist dagegen eine Präzisionsarbeit: Das Metallgewinde der Lampenfassung ist auf den Ständer der Tischleuchte sauber aufgeschraubt. Bei der Fälschung wird die Metallhalterung für die Glashaube in die Kunststofffassung geklemmt. Wahrscheinlich gibt es bei der Kunststoffvariante keine andere Lösung. Beim Original gibt es eine vernickelte Metallhalterung, die an die Metallfassung fest verschweißt ist.


Noch ein Detail: beim Original ist ein Schukostecker angebracht. Die Fälschung hat lediglich einen Flachstecker (auch "Eurostecker" genannt).

 

FAZIT

Für mich stellt die Fälschung ein Risikofaktor dar. Wenn der Kleber nachlässt, kann der Lampenschirm hinunter fallen. Das Ergebnis: Glassplitter überall. Auch optisch gefällt mir die Kopie nicht so gut wie das Original. Das liegt sicher auch an der nicht so schönen Ausführung des Nachbaus. 

Die Wagenfeld Tischleuchte wurde getestet von www.ikarus.de. Die Testergebnisse sind veröffentlicht im Ikarus Design blog. Finde den ganzen Artikel mit weiteren Informationen und Bildern auf www.ikarus.

Link: https://blog.ikarus.de/original-vs-falschung/wagenfeld-tischleuchte_8275.html


Im Vergleich: Der Lounge Chair vom Ehepaar Ray und Charles Eames

Eames Lounge Chair
Eames Lounge Chair im Vergleich; Bild © prodomowien
Eames Lounge Chair Vergleich
Vergleich Original vs. Fälschung bei Material & Polsterung; Bild ©prodomowien.at
Eames Lounge Chair Vergleich Verarbeitung
Vergleich Original vs. Fälschung bei der Verarbeitung; Bild ©prodomowien.at

Die Herstellerkennzeichnung ist auf einem echten Original immer zu finden.

Ein Aufkleber von Vitra an der Unterseite und eine Seriennummer an der Innenseite der Sitzschale belegen die Echtheit. Beim Nachbau fehlt die korrekte Kennzeichnung.

Schließlich: Falsche Maße und Neigungswinkel. Wie bei den meisten Fälschungen hat das Plagiat nicht die richtigen Abmessungen und Neigungswinkel. 

 

Oft und gerne kopiert: Der berühmte Lounge Chair vom Ehepaar Ray und Charles Eames.

 

In den 1950er-Jahren entwickelte das Ehepaar Eames diesen bequemen und schönen Stuhl. In Europa wird er von Vitra, in den USA von Herman Miller, hergestellt. Es gibt zahlreiche Fälschungen von diesem bekannten Stück, denn der Lounge Chair gehört zu den beliebtesten Designerstücken unserer Zeit. Hier im Test eine Kopie, die um einiges günstiger als das Original angeboten wird.

Materialien und Farbe:

Das Original ist mit weichem Anilinleder bezogen. Die Schale ist aus Palisanderholz und der Fußteil und die Rückenspangen sind schwarz lackiert. Die Schale des Originals weist eine Stärke von   8 mm auf. Rechts: Die Fälschung ist aus eingefärbtem Kunstleder gefertigt, welches auch noch zu stark gespannt ist. Bei der Fälschung wird ein Schichtholz mit 14mm Stärke verwendet. Die Herkunft des Holzes ist dabei unklar.

 

Polsterung & Pflege:

Beim Original sind die Sitz- und Rückenkissen mit hochwertigem Schaumstoff und Vlies gefüllt. Durch Luftlöcher kann die Luft beim Hinsetzen ausströmen. Auch sehr praktisch: Jedes Einzelteil ist abnehmbar und austauschbar. Bei der Fälschung wurde billiges Leder verwendet und Luftlöcher sucht man auch vergeblich. Die Kissen sind an der Schale „angetackert“, daher sind sie auch nicht abnehmbar.

 

Verarbeitung:

Beim Plagiat ist das Schichtholz stärker als beim Original. Abgesehen davon ist das Holz schlampig verarbeitet. Die Furnierkanten sind ausgerissen und stellenweise mit Filzstift (!) ausgebessert worden.

Das Gestell und die Spangen sind im falschen Abstand. Außerdem sind die Spangen an der Rückseite nicht poliert und auch nicht schwarz lackiert. Die Muffe an der Unterseite der Armlehne, die ein Ausreißen der Rückenschale verhindert, fehlt ganz.


FAZIT

Ich denke, die Fälschung ist nicht so bequem wie das Original. Denn es wird Kunstleder anstatt hochwertiges Qualitätsleder verwendet und die Maße sowie Neigungswinkel weichen vom Originalentwurf ab. Die Verarbeitung ist leider auch nicht sehr sorgfältig. Besondere Sorge bereitet mir dabei das schlecht verarbeitete Holz und das ausreißende Leder. Aufgrund der schlechten Verarbeitung, wird die Kopie höchstwahrscheinlich keine lange Lebensdauer haben.

Der Lounge Chair wurde getestet vom Wiener Möbelhaus prodomoWien.

Finde den ganzen Artikel mit weiteren Informationen und Bildern auf www.prodomowien.at

Link: http://www.prodomowien.at/veranstaltungen/Original_versus_Plagiat

Originale und Fälschungen erkennen...es gibt Hinweise auf eine Fälschung!

Nicht alle Fälschungshinweise sind leicht erkennbar. Manche Unterschiede erkennt man wirklich erst, wenn das Original neben der gefälschten Kopie steht. Wie zum Beispiel die unterschiedlichen Größen, andere Farbtöne oder andere Neigungswinkel. Nachdem die Originalmaße meist nur den lizenzierten Hersteller bekannt sind, können daher die Fälscher die Abmessungen nur schätzen. Jedoch, manchmal schätzen die Fälscher wirklich sehr gut.

 

Folgende Hinweise lassen auf die Qualität und damit auf die Echtheit des Designstückes schließen.

 ü  Ist die Herstellerkennzeichnung vorhanden? Sind die Seriennummer oder/und die Produktionsnummer vorhanden?

 ü Welche Hölzer werden verwendet und welches Leder? Sehen die verwendeten Materialien hochwertig aus?

      (Ist zum Beispiel der Stoff makellos intakt und ohne Fransen?)

 ü Ist die Verarbeitung sauber und ohne sichtbare Makel? Sind zum Beispiel die Schweißstellen sauber gemacht, sehen 

       die Nähte gut aus, wurden die Hölzer gut verleimt?

 ü Wie sieht die Metallstruktur aus? Haben alle Rohre eine konstante Dicke – auch in der Verbiegung? Sind die

       Metalloberflächen gleichmäßig?

 ü Wurden die Löcher gebohrt und nicht gestanzt? Bei gebohrten Löchern gibt es keine keine Einbuchtungen.

 ü Bei Stahlrohrmöbel: Sind die Rohrenden sauber verschweißt? Bei Fälschungen sind die Rohrenden oft mit

       Plastikkappen versehen. 

Bildnachweise:

Titelbild "White Barcelona Chair", Bild von Eston Bond; Lizenz CC BY-NC-SA 2.0

photo credit: FotoDB.de Original und Kopie via photopin (license)

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Kommentare: 1
  • #1

    Stefan (Freitag, 06 Oktober 2017 12:50)

    Fälschungen kommen eigentlich nie an die Originale heran. Wenn schon Designstück - dann richtig. Man kann ja mittlerweile auch erschwinglich an echte Designer Teile kommen (z.B. über The Lounge Company).