Wann ist es ein echter Designklassiker? Original ist nicht gleich Original!

Die "echten" Originale

Wenn man von einem „Original“ spricht, meint man oft einen lizenzierten Nachbau oder eine Re-Editionen eines Entwurfes. Es ist schwierig, bei Möbel und Einrichtungsgegenständen von „Originalen“ zu sprechen. Denn Möbel werden entworfen, um sie in Serie zu fertigen. Sie sollen ja ein breites Publikum finden. Ein einzigartiges Original gibt es daher im eigentlichen Sinn nicht.

 

Die Unternehmen, die im deutschsprachigen Raum heute rechtmäßig "Originalmöbel" anbieten, handeln fast ausschließlich mit Nachbauten.


Ein wichtiger Faktor für den Wert eines Möbelstückes ist insbesondere das Produktionsjahr. Ein Werk aus der ersten Serie, an dem der Meister eventuell noch selbst Hand angelegt hat, kann Höchstpreise erzielen. Diese Einzelstücke sind daher selten und finden sich in Auktionshäusern wie Sotheby’s und Christie’s. 2011 erzielte zum Beispiel Emile-Jacques Ruhlmanns Schreibtisch "Tardieu“ einen Verkaufspreis von 2,3 Millionen Euro bei einer Christie´s Auktion in Paris. Dieser Kunstmarkt der "Originale" ist die Welt von Spezialisten, den Sammlern und den Museen.

Nicht traurig sein, wenn man kein „echtes“ Original besitzt!

Echte Originalstücke aus der jeweiligen Epoche haben auch ein paar Nachteile.

Sie passen nicht mehr unbedingt in unsere heutigen Wohnzimmer und zu uns. Denn im Laufe der Jahrzehnte haben wir uns verändert. Wir sind generell größer geworden!

 

Huch, sind die klein!“

Dachte ich mir, als wir vor drei Jahren die „Fledermaus“ Sessel und einen Esstisch von Josef Hoffmann für unser neues Haus verwenden wollten. Alles noch gebaut um 1910-1920. Also ein paar Jahre, nachdem Josef Hoffmann sie als Einrichtung für das Kabarett Fledermaus entworfen hatte (1905-1907).

 

Einfach genial. Sie hätten großartig in unser neues Wohnzimmer gepasst. Aber bei der Sitzprobe wurden wir enttäuscht. Die Sessel und der Tisch sind sehr niedrig. Darauf zu sitzen war ungewohnt und ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, an diesem Tisch zu essen. Denn durch die ungewöhnliche Höhe sahen die Möbel nicht nur optisch klein aus, sondern es war auch ungemütlich zu sitzen.

Ich hatte damals schon den Verdacht, dass es vielleicht daran liegen könnte, dass früher die Menschen kleiner waren. 

 

Dann stieß ich auf einen interessanten Artikel bei Houzz: Du bist aber groß geworden! Wie sich die Maße unserer Möbel ändern.“ (hier klicken zum Artikel

Die Menschen waren früher um einiges kleiner. Vor allem im vergangenen Jahrhundert sind wir ganz schön gewachsen. Aber auch unsere Kleidung und wie wir heute unsere Wohnungen einrichten, hat sich stark verändert. Die Hersteller von Designklassikern passen die Originalentwürfe behutsam den modernen Menschen an. Der Hersteller Vitra hat zum Beispiel bei der Neuauflage des Eames Side Chairs die Sitzhöhe um 20 Millimeter erweitert und ein paar leichte Anpassungen gemacht. Jetzt ist der Stuhl bequemer und passt damit besser zu einem modernen Tisch.

 

Damit sind wir bei den "Originalen", die wir im Handel kaufen können. 


Originalgetreue Nachbauten oder lizenzierte Re-Editionen der Klassiker

Echte Designklassiker: Le Corbusier

Bei einem originalgetreuen Nachbau hat der Hersteller die Lizenz für den Nachbau eines Möbelklassikers oder einer ganzen Kollektion vom Designer oder seinen Erben erworben. Sie dürfen nach Originalentwürfen des Meisters seine Stücke anfertigen und verkaufen.

Die Unternehmen, die im deutschsprachigen Raum heute rechtmäßig Originalmöbel anbieten, handeln fast ausschließlich mit Nachbauten. Sie werden mit den Namen des Designers und mit dem Entwurfsnamen ausgelobt. Dies ist mit dem passenden Lizenzvertrag erlaubt. Denn in fast allen EU-Ländern sind die Werke eines Schöpfers bis 70 Jahre nach dessen Tod urheberrechtlich geschützt. Der Verkauf dieser Klassiker ohne Lizenz ist damit verboten.

Was ist eine Re-Edition (Neuauflage)

Der Name sagt es bereits: es ist eine Wiederauflage eines Designklassikers.

Die Hersteller lassen die Entwürfe früherer Designer in einer Neuauflage wieder aufleben. Dabei werden die Stücke überarbeitet. Diese Veränderung dient vor allem der Optimierung des Möbelstückes. Zum Beispiel werden neue Werkstoffe verwendet, die es zum Zeitpunkt des Entwurfes noch nicht gab. Oder wie in meinem Beispiel oben, werden leichte Anpassungen in der Größe vorgenommen.

Dabei gilt es den ursprünglichen Entwurf möglichst original und genau wieder umzusetzen. Leben die Designer noch, arbeiten sie sogar an den Veränderungen mit.  Ziel ist es die Qualität zu erhöhen und den Klassiker an moderne Anforderungen anzupassen. 

Unterschied zwischen Nachbau und Plagiat

Ein Plagiat ist eine illegale Kopie, die mit den entsprechenden Markennamen auf den Markt gebracht werden. Die Kopie oder Replika ist meist ein unlizenzierter Nachbau, bei denen einige Details vom Originalentwurf abweichen. Entweder sind die Abweichungen absichtlich oder unabsichtlich beim Kopieren entstanden. Es werden manchmal Designdetails aus Kostengründen geändert, andere (billigere) Materialien verwendet oder andere Farben genommen. Kurz eine „billige“ Kopie oder Fälschung. Ganz dreiste Anbieter bieten sogar Möbelstücke an, die nie vom jeweiligen Designer entworfen wurden. Frei nach dem Motto „Sieht aber aus, als könnte es von ihm/ihr sein.“

Gutes Design für alle?

Wenn Du einfach nur ein chices Möbelstück haben möchtest, ist es vollkommen in Ordnung, zu einem günstigeren Stück zu greifen. Es muss ja nicht immer ein Designerstück sein. Außerdem gibt es viele Designer, die (noch) nicht so bekannt sind und tolle Werke anbieten.

Mit geht es darum, dass Ihr nicht einem Irrtum beim Kauf erliegt und meint, Ihr hättet ein Original erstanden. In Wirklichkeit habt Ihr jedoch Euer gutes Geld für eine Fälschung ausgegeben. Der Kauf eines Plagiates hat auch erhebliche Nachteile.

Daher: Vorsicht vor Fälschungen!

  • Kunden aus dem geschäftlichen Umfeld machen sich sogar beim Kauf von illegalen Kopien strafbar. Ärzte oder Hotels mussten schon ihre neu eingerichteten Räume wieder ausräumen und haben Schadenersatz gezahlt.
  • Der Kauf eines Plagiates für den rein privaten Gebrauch gilt nicht als Straftat. Verboten ist aber der Weiterverkauf der Fälschung. 
  • Minderwertigere Ausführung: Originale entsprechen hohen Qualitätsansprüchen. Das kann man bei günstigen Kopien nicht erwarten. Bei unlizenzierten Kopien werden unter anderem minderwertige Materialien verwendet und es wird ungenau bei der Herstellung gearbeitet. Mit anderen Worten: man wird meist nicht lange Freude daran haben.

  • Was tun, wenn das gute Stück kaputt geht? Bei einem Originalstück geben die Hersteller sehr lange Garantie. Zehn Jahre und länger! Außerdem können die Hersteller von Originalmöbeln sehr lange alle Ersatzteile anbieten. Daher kein Problem, wenn es ein Original ist. Bei einer Kopie sieht das schon anders aus. Meistens wird nur eine relativ kurze Garantie von zwei bis drei Jahren angeboten. Ersatzteile kann man auch lange suchen.

Eine Referenz an ein Designstück kann eine spannende Weiterentwicklung sein

Viele junge Designer zeigen in ihren Kreationen Referenzen zu bekannten Designklassikern. Als Referenz sind Anlehnungen im Design erlaubt und ergeben auch einige richtig spannende neue Entwürfe. Weiterentwicklungen von gutem Design und Neuinterpretationen sind eindeutig erwünscht. Solange man nicht das komplette Design als sein eigenes verkauft, ist es in Ordnung.

photo credit: FotoDB.de Original und Kopie via photopin (license)
photo credit: Peter Guthrie corb via photopin (license)

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